Besuch der Volksmusikakademie im Lesachtal - Stadt Freyung

Eindrücke gesammelt und Inspirationen geholt

Freyunger Delegation besucht die (bis dato) einzige Volksmusikakademie Europas

Freyung/Liesing im Lesachtal. Vergleichbare Einrichtungen zur geplanten "Volksmusikakademie in Bayern" gibt es europaweit nur eine: Die Volksmusikakademie im Lesachtal – ein guter Grund für Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich sich sowohl die Einrichtung als auch das musikalische und inhaltliche Konzept von den österreichischen Nachbarn aus Kärnten genauer anzuschauen. Begleitet wurde er von Stadtrat Walter Kern, den Architekten Werner Pauli und Christian Lankl sowie Konversionsmanager Raimund Pauli.

Seit dem Jahre 2005 besteht die Volksmusikakademie im Lesachtal und gilt seit der Gründung als Kompetenzzentrum für die Volksmusik. Die musikalische Einrichtung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz – von der Tradition bis zur Innovation – und will zum besseren Verständnis der Besonderheiten der traditionellen und überregionalen Volksmusik im Alpe-Adria-Raum beitragen. So verwundert es nicht, dass vom klassischen Weisenblasen-, Jodel-, Musik- und Tanz-Seminar bis zum Irish Folk Festival schon vieles geboten wurde.

Musik – Tanz – Gesang – von der Tradition bis zur Innovation

Die gut etablierte Einrichtung, die für maximal 30 Teilnehmer ausgerichtet ist, hat allerdings auch einmal klein angefangen, wie Mag. Manfred Riedl berichtet. Als musikalischer Leiter ist er für die Seminarinhalte zuständig und arbeitet hauptberuflich am Landeskonservatorium in Klagenfurt. „Das allererste Seminar, für Dudelsack- und Drehleierspieler, bestand aus 3 Teilnehmern und 3 Referenten“, betont Riedl mit einem kleinen Schmunzeln. „Mit unserem Angebot wollen wir den Teilnehmern vor allem einen Impuls zur musikalischen Weiterentwicklung geben“. Mittlerweile bietet die Akademie 9 Wochenendseminare zwischen März und Juni an, stellt die Räumlichkeiten aber auch Chören, Vereinen und Musikgruppen das ganze Jahr über für Probeeinheiten und Veranstaltungen zur Verfügung. Auf die Frage wo die Musikanten denn überall herkommen, antwortet Riedl: „Hauptsächlich aus dem Alpe-Adria Raum, aber auch aus Deutschland. Die am weitest angereisten Gäste sind wohl die Kammermusiker aus New York. Sie wissen das Ambiente und Abgeschiedenheit im Lesachtal für Probenaufenthalte und Konzerte sehr zu schätzen.“ Bei der Frage nach der Unterbringung und Verpflegung der Musikanten, antwortet Werner Lexer, Geschäftsführer und Initiator der Akademie: „Die Musikanten werden von unseren Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben bestens versorgt, da die Akademie selbst kein Übernachtungs- und Bewirtungsangebot bereitstellen kann. Das funktioniert in unserer touristisch geprägten Region hervorragend.“

Musikanten von regionalen Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben versorgt

Ein besonderes Highlight war die Besichtigung der Räumlichkeiten. Dem ehemaligen Gasthaus drohte der Abriss und man war auf der Suche nach einer geeigneten Nachnutzung. Schließlich hat man das komplette Haus nach den Anforderungen einer Volksmusikakademie umgebaut und restauriert. Dabei legte man vor allem Wert darauf, dass sich die Musiker während ihres Probenaufenthaltes wohlfühlen und nicht in einem „klassenzimmerähnlichen“ Ambiente musizieren müssen. Das Mobiliar, Decke und Türen erinnern eher an eine Bauernstube. Die Schallabsorber fügen sich unaufdringlich in das Raumkonzept ein und bewahren den natürlichen Raumklang. „Das ist vor allem für Stubenmusiker, die hauptsächlich auf Saiteninstrumenten spielen, ein wichtiger Aspekt“, wie Lexer und Riedl betonen. „Sie müssen sich beim Musizieren noch selber hören können.

Klassenzimmer-Atmosphäre unerwünscht

Ein schalltoter Raum wäre da eher kontraproduktiv.“ Für Blasmusiker gelte der Grundsatz nicht, hier ist eine maximale Schallabsorption sinnvoll. „Reine Blaskapellen gehören aber nicht zu unserer Zielgruppe, das geben die Räumlichkeiten gar nicht her.“ Auch die Raumgrößen der Übungsräume variieren und sind auf die unterschiedlichsten Gruppengrößen vom Einzelspieler bis hin zu mittelgroßen Chören ausgerichtet. W-LAN ist überall im Haus verfügbar, ein Muss in der heutigen Zeit. Im ersten Stock wurde der ehemalige Wirtshaussaal zu einem Multimediaraum mit Bühne umfunktioniert und bietet ca. 50-60 Zuhörern Platz und kann bei Bedarf auch mit Wandelementen geteilt werden. Verdunklungs-, Ton-, Licht- und Lüftungstechnik sind verbaut worden und über einen Tablet-Computer steuerbar. „Der Raum wird auch für die Lesachtaler Kulturgespräche genutzt, eine Diskussionsrunde zu volksmusikalischen Themen, die das Angebot der Akademie abrunden sollen“, berichtet Lexer. Der Raum eignet sich aber auch zum Tanzen oder für kleinere Konzerte.

Im obersten Geschoss der Akademie ist das Johann Lexer Geigenbaumuseum der Kulturwerkstatt Lesachtal untergebracht. Helmut Lexer, Sohn des verstorbenen Geigenbauers und Bruder von Werner Lexer, bot eine interessante Führung an. In den 55 Jahren seiner Schaffenszeit baute Johann Lexer in seiner Freizeit fast 2100 verschiedenste Saiteninstrumente, hauptsächlich Geigen, Bratschen und Ziergeigen, aber auch Cellos, Kontrabässe, Gitarren und Harfen. Das Lebenswerk des Komponisten, Instrumentenbauers und Musikers wird dem Besucher hier auf eindrucksvolle Art und Weise präsentiert.

Was nimmt nun die Freyunger Delegation von den gesammelten Eindrücken mit nach Hause?

Stadtrat Walter Kern und Vorsitzender der Bürgergemeinschaft:

„Der Besuch der Volksmusikakademie Lesachtal war hochinteressant und stimmt mich überaus positiv, wenn man sieht, wie die ganze Region kulturell und touristisch von dieser Einrichtung profitiert. Es wird aber auch deutlich, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Wichtig wird sein, dass sich die Musikanten rundum wohl fühlen! Das gilt nicht nur für die Räumlichkeiten, sondern auch für das Kursangebot. Und noch etwas wird für den Erfolg unserer Akademie wichtig sein. Obwohl wir an keinem Seminar teilgenommen haben, konnten die Verantwortlichen der Volksmusikakademie Lesachtal bei uns mit ihrer ausgesprochenen Gastfreundlichkeit und Natürlichkeit einen bleibenden und positiven Eindruck hinterlassen. Das sollte uns auch so gelingen.“

Architekt Werner Pauli:

„Beeindruckend ist für mich die Stilsicherheit in Form und Gestalt, die durchgängig am Gebäude zu sehen ist. Wie der Ort selbst hat auch das Gebäude eine eigene Schrift und man spürt förmlich, wie behutsam, demütig und überlegt mit der historischen Substanz umgegangen wurde. Für mich ist daher die Erkenntnis noch mehr gereift, dass auch wir im Langstadl unseren eigenen Stil finden müssen, der sowohl die Charakteristik des Gebäudes wie auch die inhaltliche Neuordnung am besten würdigt. Welche identitätsstiftende Wirkung diese Einrichtung in den Ort getragen hat, konnte man den Gebrüdern Lexer förmlich an den Augen ablesen.“

Nun heißt es für die Planer der Volksmusikakademie in Bayern die Pläne noch einmal zu verfeinern und an die neu-gewonnen Erkenntnisse anzupassen. Eines steht aber jetzt schon fest, so Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich: „Mit unseren bisherigen Planungen kann man vollstens zufrieden sein. Jetzt geht es noch um die Kür und da haben wir wichtige Erkenntnisse aus Österreich mit nach Hause genommen.“