Tradition und Zukunft treffen sich - Stadt Freyung

Tradition und Zukunft treffen sich

Es ist die größte landwirtschaftliche Baumaßnahme in der Stadt Freyung – und für die Familie Manzenberger weit mehr als ein Neubau: Am Fuß des Kreuzberger Kegels entsteht eine moderne Stallanlage. Josef Manzenberger und sein 23-jähriger gleichnamiger Sohn stellen damit die Weichen für den Fortbestand ihres Hofes, den die Familie seit fast 200 Jahren bewirtschaftet. Mit der Investition übernimmt die sechste Generation Verantwortung für einen traditionsreichen, landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Kreuzberg befindet sich in einer speziellen Lage. Die Landschaft wirkt die auf den ersten Blick so, als hätte sich hier wenig geändert, wenn man den 819 Meter hohen, weithin sichtbaren Kegel hinaufblickt. Wiesen, Weiden, Höfe, Feldraine – und mittendrin der markante, unbewaldete Gneis-Kegel mit dem St. Anna Kirchturm, der dem Ort sein unverwechselbares Gesicht gibt. Die besondere Lage hat Kreuzberg sogar in den bayerischen Ensembleschutz aufgenommen. Doch unterhalb des Kreuzberger Kegels wird gerade an der Zukunft gebaut. Auf rund 4.000 Quadratmetern investieren die Familie Manzenberger in eine neue Stallanlage. Rund 2.000 Quadratmeter umfasst allein der Stall, dazu kommen Technikräume, Büro, Computerraum, Lagerflächen und eine Güllegrube. Für rund 90 Milchkühe, 50 Jungrinder und 20 Kälber soll künftig Platz sein. Für Josef Manzenberger sen. ist das weit mehr als ein Bauprojekt. Es ist eine Entscheidung für den Hof – und für die nächste Generation. „Ich bin mit Tieren aufgewachsen und will mit Tieren arbeiten“, sagt sein 23-jähriger Sohn Josef. Er hat sich entschieden. Er wird den Hof als sechste Generation weiterführen.

Seit fast 200 Jahren Landwirtschaft in Kreuzberg
Seit fast zwei Jahrhunderten betreiben die Manzenberger‘s in Kreuzberg Landwirtschaft. Josef Manzenberger sen. erinnert sich, dass seine Vorfahren vor langer Zeit vom Woid ins Rottal gezogen sind, ums sich dort als Bauern anzusiedeln. So richtig heimisch wurden sie aber nicht. Als sich dann die Chance für eine Hofübernahme in Kreuzberg ergab, kehrten die Wahlrottaler wieder in die Heimat des Bayerischen Waldes zurück. Der Grundstein für den bis heute als Familienbetrieb geführten Hof im Vollerwerb wurde vor 200 Jahren gelegt. Die Landwirtschaft ist nicht nur Arbeitsplatz und Lebensgrundlage der Familie. Sie prägt auch das Bild der Landschaft. Kulturlandschaft entsteht nicht von allein. Wiesen müssen bewirtschaftet, Flächen gepflegt und Tiere versorgt werden. „Ohne Bauern gibt es keinen Naturschutz“, bringt Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich die Herausforderung auf den Punkt. Landwirtschaft und Naturschutz müssten zusammen gedacht werden. Und genau in diesem Spannungsfeld entsteht der neue Stall am Fuß des Kreuzberger Kegels.

Ein Stall, der mitdenkt
Auf den ersten Blick wird es ein großer Neubau. Im Inneren aber zieht viel Technik ein. Ein Melkroboter übernimmt rund um die Uhr das Melken. Die Kühe können selbst entscheiden, wann sie zum Melken gehen. Für Josef Manzenberger jun. ist das nicht nur eine Frage der Arbeitserleichterung: „Das ist für das Tierwohl besser.“ Denn jede Kuh trägt einen Transponder. Er funktioniert wie ein digitaler Ausweis und liefert dem Computersystem wichtige Informationen über das einzelne Tier. Milchleistung, Futteraufnahme, Reproduktion und weitere Daten zur Tiergesundheit lassen sich damit erfassen. Die Technik hilft so dabei, jedes Tier individuell zu beobachten und zu versorgen. Auch bei der Fütterung geht der Betrieb einen Schritt weiter. Ein Fütterungsroboter mischt das Futter automatisch und kann es individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Tiere abstimmen. Eine Besonderheit, die es in dieser Form in der Region bislang kaum gibt. Für Josef Manzenberger jun. hat das einen großen Vorteil: „Durch das Vorlegen von frischem Futter ‚Rund um die Uhr‘ ist eine entspannte Futteraufnahme auch durch rangniedere Tiere möglich.“ Autonomes Melken, automatisierte Fütterung, Roboter bei der Entmistung und beim Anschieben des Futters – die Maschinen sollen nicht den Menschen ersetzen, sondern ihn entlasten. Denn Arbeitskräfte, die in der Landwirtschaft arbeiten möchten, werden weniger, während die Aufgaben nicht weniger werden. „Mit der Technik können wir Arbeitsspitzen abfangen“, erklärt Manzenberger. Zwischen Tradition und Hightech So modern der neue Stall wird: Die Grundlagen der Landwirtschaft bleiben dieselben. Das Grundfutter für die Tiere erzeugt die Familie selbst. Gras und Mais wachsen auf den eigenen Flächen. Ergänzt wird das Futter durch Kraftfutter. Eigene Quellen liefern das Wasser für die Tiere. Die Milch wird jeden zweiten Tag von der Molkerei abgeholt. Dafür braucht es ausreichend Lagerkapazität und eine zuverlässige Kühlung. Auch die Voraussetzungen für eine spätere Biohaltung sind mit dem Neubau grundsätzlich gegeben. Tradition und Hightech schließen sich für Vater und Sohn Manzenberger dabei nicht aus. Im Gegenteil: Beides gehört für sie zusammen. Der Hof soll seinen Charakter als Familienbetrieb behalten – und gleichzeitig so aufgestellt sein, dass die nächste Generation ihn weiterführen kann.

Vier Jahre Planung – und viele Fragezeichen
Der Weg bis zum Baubeginn war allerdings lang. Vor rund vier Jahren begannen die konkreten Planungen. 2021 wurde eine Bauvoranfrage gestellt. Seitdem ging es immer wieder um Abwägungen, Vorgaben und Auflagen. Wie kann ein landwirtschaftlicher Betrieb an diesem besonderen Standort wachsen? Was ist mit dem Landschafts- und Naturschutz vereinbar? Welche Anforderungen müssen erfüllt werden? Für die Familie bedeutete das vor allem eines: lange Zeit keine wirkliche Planungssicherheit. Gleichzeitig werden die Anforderungen an landwirtschaftliche Betriebe immer komplexer. Auflagen nehmen zu, Genehmigungsverfahren werden aufwendiger, die Bürokratie wächst. Für einen Familienbetrieb bedeutet das zusätzliche Belastungen – und macht langfristige Investitionen schwieriger. Trotzdem haben sich Josef Manzenberger und sein Sohn entschieden, diesen Schritt zu gehen, damit die nächste Generation eine Chance hat. Zum Jahresende sollen die ersten Tiere im neuen Stall stehen. Der Neubau ist deshalb auch ein Signal. Landwirtschaft soll in Kreuzberg weiterhin möglich sein. Und sie soll eine Zukunft haben. Der 23-jährige Josef steht dabei für eine Generation, die bereit ist, Verantwortung für einen Betrieb zu übernehmen, der älter ist als viele Gebäude im Ort. Er will mit Tieren arbeiten – aber unter Bedingungen, die den Betrieb auch in Zukunft wirtschaftlich und organisatorisch tragen können. Am Fuß des Kreuzberger Kegels entsteht deshalb nicht einfach ein neuer Stall. Es entsteht ein Stück Zukunft für einen Hof, auf dem seit fast 200 Jahren Landwirtschaft betrieben wird. Die sechste Generation steht bereits in den Startlöchern.

Bildtext: Freyungs Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich informiert sich über die größte landwirtschaftliche Baumaßnahme im Stadtgebiet Freyung bei Josef Manzenberger Junior und Senior. Foto: Stadt Freyung

Archiv